Ein Mädchen Namens Nathalie
»Ich als Außenstehende«

Fotos: SJSK

3. März 2017

Es ist Montagmorgen. Es regnet. Vor dem Scharlatan Theater in der Gotenstraße 6 steht ein Mädchen und lässt sich nass regnen. Kurz streckt sie die Hand nach der Türklinke aus, zieht sie dann aber wieder zurück. Sie scheint sehr aufgeregt zu sein. Prüfend wirft sie einen Blick auf ihre Armbanduhr und öffnet nun doch die Tür.

Etwa so muss ich am letzten Montag ausgesehen haben. Ich war wirklich furchtbar aufgeregt. Mein Name ist Nathalie und ich bin jetzt seit einer Woche Praktikantin im Scharlatan Theater. Ich durfte schon alle möglichen netten Menschen kennenlernen und mit ihnen arbeiten. So unterschiedlich wie die Menschen hier sind, so unterschiedlich sind meine Aufgaben: So habe ich schon gelernt, Hemden zu bügeln, sie perfekt zusammen zu legen und sie ordentlich in Schränke zu sortieren. Das war mein erster Montag.

»Ich gestehe ohne Scham, fast jedes Instrument eingehend getestet zu haben«

Am Dienstag habe ich meine »Aufräumarbeiten« beendet, gleich darauf Flyer für die anstehende Messe vorbereitet und in Kisten verpackt. Am Mittwoch durfte ich mir die wirklich große Sammlung an Instrumenten in der Requisitensammlung ansehen und auch gleich neu sortieren. Ich gestehe ohne Scham, beim Einsortieren fast jedes Instrument eingehend getestet zu haben, wenn auch nur leise. Danach ging ich nach oben an meinen wunderschönen Arbeitsplatz mit Schreibtisch, noch mal vielen Dank dafür!

Die nächste Stunde verbrachte ich mit meinen Notizen für meinen Vortrag, den ich am Ende des Praktikums vor meiner Klasse halten werde. Als ich gerade anfing, mich zu langweilen, wurde ich von Claudia unterbrochen, die mich bat, die ehrenvolle Aufgabe des Nachtragens und Überarbeitens von Bahn-Card-Einträgen zu übernehmen. Sehr gerne!

»Es ist kaum zu glauben, wie viele Aufgaben es in einem solchen Betrieb gibt!«

Den Donnerstag begann ich mit dem herrichten eines hübschen Informationstisches im Foyer, den Sie sich gerne einmal ansehen können, wenn Sie hier sind! Es ist wirklich kaum zu glauben, wie viele Aufgaben es in einem solchen Betrieb gibt! Man vergisst oft, wie viel Arbeit zwischendurch anfällt, was es so alles »zwischen den Zeilen« zu tun gibt. Man sieht ein Theaterstück auf der Bühne – wie viele Handgriffe, Gedanken, Telefonate, Ideen, gebügelte Hemden und geputzte Requisiten dafür notwendig sind, kann man als Außenstehender leicht vergessen.  Ich weiß es jetzt wieder und helfe dabei an allen Ecken und Enden.

»Alle wollen das Gleiche und ich nun auch«

An diesem Betrieb mag ich besonders, dass jeder der hier arbeitet zu 100 % hinter dem steht, was das Scharlatan Theater tut und was es erreichen will. Alle wollen das Gleiche und ich nun auch. Selbst einem Mitarbeiter, der auf den ersten Blick nicht wirklich etwas mit den Auftritten zu tun hat, vertritt mit Überzeugung das Theater der Scharlatane.

Vielleicht kommt ja auch gerade deshalb dieses einzigartige Betriebsklima zu Stande, das ständig irgendwo zwischen entspannt und gestresst liegt. Dauernd passiert etwas Neues, oder ein Kunde möchte nun doch lieber etwas Anderes. Egal was passiert, alle bleiben relativ entspannt. Hier ist nie etwas wie es scheint, hier steht nichts still, sondern hier gibt es nur laufende Veränderung.

»Anders kann ich es einfach nicht beschreiben«

Und noch etwas habe ich gelernt: Will man hier arbeiten, muss man mit jeder Veränderung mitgehen können (mir scheint, das kann hier jeder). Deshalb empfinde ich es wie ein harmonisches Wechselspiel zwischen manchmal hektischen Gesprächen und einem entspannten Augenzwinkern. Anders kann ich es einfach nicht beschreiben.

Ich fühle mich hier wohl. Warum? Weil ich helfen kann und mich nicht unerwünscht fühle. Bei vielen meiner Freunde ist das an ihren Praktikumsplätzen anders. Also freue ich mich umso mehr über die netten Menschen, die immer mit einem Lächeln im Mundwinkel unterwegs sind.

»Das Lächeln ist die schönste Art anderen die Zähne zu zeigen« 🙂

Es ist Freitag nachmittag. Ein Mädchen schlendert gelassen die Gotenstraße entlang. Ein Lächeln liegt auf ihrem Gesicht. Was für eine Woche, denkt sie und freut sich auf Montag.

Ein Bericht von Nathalie Rubinstein, Schülerpraktikantin im Scharlatan Theater

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